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  Jazz-Wochenende bei den Helmbrechtser Kulturwelten
Chelesta: Als Ausputzer lassen sie die Puppen tanzen

... Ein abwechslungsreiches, spannendes Jazz-Wochenende klingt aus. Grund zum Feiern - genau richtig für "Chelesta", die Leipziger Band, die sich im Morgengrauen ins Auto gesetzt hat und nach Helmbrechts gekommen ist. "Absolut ungewöhnlich", sagt Birgit Fleischfresser, die handfeste Frontfrau. "Einen guten Morgen hab' ich meinem Publikum noch nie gewünscht." Normalerweise spiele die Band abends, denn sie mache ja Tanzmusik ...

Zum Tanzen ist kaum Platz im vollbesetzten Textilmuseum. Aber vom ersten Stück an bringt "Chelesta" die Besucher in Schwung mit einer Mischung aus osteuropäischer Musik, deutschem HipHop, Rock und Jazz. Der letzte Schlaf verschwindet aus den Augenwinkeln ...

"Wenn ich nehm a bissele Yash (Schnaps)", singt Jefgeni Larin, der auch die Klarinette und das Saxophon bläst, auf Jiddisch. Man kann sich denken, wohin das führt.

Das nächste Stück knüpft an die Tradition der Beisetzungsmärsche an. Langsam schleppt sich die Musik dahin, bis auch die Toten Lust zum Tanzen bekommen. Die Musiker holen alles aus ihren Instrumenten heraus. Das kann fein und feierlich sein, aber auch überschäumend fröhlich, herzzerreißend, urkomisch, meistens aber schnell. Trompete, Tuba, Saxophon - das Blech macht eine Menge her. Mal schmiert und krächzt die Trompete zum Steinerweichen, dann wieder erklingt sie strahlend schön. Michael Glucharen setzt sie virtuos und unermüdlich ein. Hinreißend auch der Sound der Tuba. Gelegentlich tauscht Mike Meyer sie mit dem E-Bass, den er ebenso leidenschaftlich und schweißtreibend spielt. Schlagzeuger Jürgen Kober hält die Gruppe zusammen.

Meyer, Larin und Kober machen sich auch als Trio gut. Das Ganze klingt dann entschieden jazziger. Doch bald greift Birgit Fleischfresser wieder zum Akkordeon, und weiter geht der übermütige Tanz über alle Traditionen der osteuropäischen Musik hinweg: Polka, Klezmer, was es da so alles gibt. "Ne uchody" singt Larin auf Russisch, "Geh nicht weg". Und die Frontfrau rappt: "Du fehlst mir sehr." Aber lang dauert die Trauer nie. Es lebe das Leben! lk
Lisbeth Kaupenjohann, Frankenpost, 10.11.2009
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Schmelztiegel-Harmonik stößt auf offene Ohren
„Klezmer goes Jazz” in St. Wenceslai

Wurzen. Am Freitagabend lud die evangelische Gemeinde gemeinsam mit dem Netzwerk für demokratische Kultur in die Wurzener Pfarrkirche St. Wenceslai ein. Anlass war der neunte November, jenes Datum, an dem vor 69 Jahren in Deutschland die Totenglocken für die europäischen Juden läuteten: die Pogromnacht.

Mit einer aus dem Judentum stammenden Volksmusiktradition sorgte die Leipziger Band „Chelesta” für ein volles Gotteshaus. „Klezmer goes Jazz” war der Anspruch, dem sich die fünfköpfige Truppe stellte. Und dem sie auch gerecht wurde. „Wir haben alte Melodien ausgegraben und wollen sie auf den Tanzboden bringen”, sagte Birgit Fleischfresser, die Frau am Akkordeon.
Ihr zur Seite standen Mike Meyer, Jefgeni Larin, Michael Glucharen und Andreas „Schemmi” Schemmel. Mit Tuba, Bassgitarre, Klarinette, Saxophon, Trompete, Posaune, Schlagzeug, Akkordeon und Gesang brachten sie das Publikum zum Schwingen. Lässig jonglierte Jazz-Soli, Klezmermelodien und Hip-Hop-Polka brachten eine Schmelztiegelharmonik, die in Wurzen auf offene Ohren stieß.

Der Abend war eine Party im Kirchenschiff. Bei Wein und Bier, Alkoholfreiem und Kerzenschein wurden es zwei lustige Stunden. Dabei war das servierte Essen durchaus nicht koscher, es fehlte Fisch, dafür gab es Salami. Überhaupt war dieser Abend kein koscherer. Das aber im positiven Sinne und dem Anlass angemessen. Wann wird schon einmal in einer Kirche getanzt? In St. Wenceslai wurde es zu vorgerückter Stunde getan.

Und ohne Zugaben kamen die Musiker auch nicht davon. Fünf mal „Klezmer goes Jazz” zusätzlich entlockten die Wurzener den Musikern. Die Veranstaltung war der Auftakt zum Projekt „Mensch(enfeind)lichkeit”, das vom Netzwerk für demokratische Kultur noch bis zum 9. Dezember durchgeführt wird und sich einordnet in den lokalen Aktionsplan des Muldentalkreises „Miteinander tolerant leben”.
Klaus Peschel LVZ/MTL, 12.11.2007



„Future Traditionals – Klezmer goes Jazz”

Die fünf Musiker der Band Chelesta bezeichnen ihre Musik als „future traditionals”. Bei ihrem Konzert verstanden sie es, sich Klezmer-, Jazz-, Pop-, Rock- und HipHop-Standards zu eigen zu machen, die Genres zu entstauben und mit Eigenkompositionen ... innovativ zu mischen ...

Die Musiker legten vom ersten Titel ... an ein hohes Tempo vor. Die Akkordeonspielerin Birgit Fleischfresser gab die Parole des Abends aus: „Wir stehen hier oben und spielen solange, bis ihr da unten tanzt.”
Bereits während des ersten Liedes wippten viele mit den Füßen oder bewegten sich auf ihren Sitzen rhythmisch zu den Klängen der globalen Tanzmusik. Die Spielfreude der fünf Musiker übertrug sich aufs Publikum. Die Stilvielfalt der Musiker ist groß, aber alles harmoniert auf wunderbare Weise. …
(Text gekürzt)
(fau), Frankfurter Neue Presse, 12.11.2007



Ein musikalisches Beben
„Chelesta” begeisterte in ausverkaufter Siechenhauskapelle


NEURUPPIN 
„Wir sind doch nicht schwerhörig.” Entrüstet verlassen zwei ältere Damen am Samstagabend die ausverkaufte Siechenhauskapelle in Neuruppin, nachdem die ersten Töne der Band „Chelesta” erklungen sind.
Zugegeben: leise Töne sind nicht so ihr Ding. „Das ist wahrscheinlich das leiseste Konzert, das wir je gegeben haben”, sagte Moderatorin Birgit Fleischfresser.
Trotzdem wackelten beinahe die Wände der kleinen Kapelle. Die Zuhörer riss die mitreißende Musik fast von den Stühlen. Bereits während des ersten Liedes wippten viele mit den Füßen oder bewegten sich rhythmisch zu den Klängen. Manch einem zuckte es bei der Tanzmusik sicherlich in den Beinen.
Die Musikanten aus Leipzig begeisterten das altersmäßig sehr gemischte Publikum mit osteuropäischen Liedern und Eigenkompositionen wie dem Liebeslied „ Rose Kabul“ oder „Bukarest“.
Dass die Truppe selbst Spaß an ihrer Musik hatte, übertrug sich auf die Gäste. So tanzte Mike Meyer (Tuba und Bassgitarre) mit der Tuba mal kurz durch den Gang. Völlig hingegeben spielte der neu bei der Gruppe eingestiegene ukrainische Jazzmusiker Jewgeni Larin Klarinette und Saxophon. Entrückt wirkte auch Michael Glucharen (Trompete und Ventilposaune).

Seit 2000 gibt es die „Tacheles Klezmer Company“. Ihr erstes Programm sei nur jiddisch gewesen, so Fleischfresser. Aber sie wollten eben nicht nur Klezmer-Musik machen. Jeder von ihnen habe eigene Ideen in die Zusammenarbeit eingebracht – je nach Richtung, aus der er komme: einer vom Jazz, eine vom Chanson. So wurde vor einem Jahr aus der „Tacheles Klezmer Company“ – Chelesta. Was, so Fleischfresser, großzügig übersetzt „himmlisch“ bedeute. Herausgekommen ist bei diesem Ideenmix eine gelungene Mischung aus Rap-Rock-Jazz und Klezmer.

Die fünf Musiker verständigten sich wortlos. Ein Blick genügte. Sängerin und Akkordeonspielerin Birgit Fleischfresser führte durch das Konzert.
„Sind Sie Profis?“ Diese Frage käme häufiger aus dem Publikum. „Messen Sie das am Können oder am Portmonee?“ will die Band wissen und gibt die Antwort mit einer Eigenkomposition.
„Nicht Ideale sind das, was uns zusammenhält, sondern Geld. Ich tu alles für dich, wenn ich nur endlich nicht mehr pleite bin. Nur der Schein allein bestimmt das Sein.“
In diesem und anderen Liedern drückt das Quintett sein Lebensgefühl im Hier und Jetzt aus.

Zuletzt zeigte jedes Bandmitglied in einer Solopartie die Breite seines Könnens. „Jetzt hören Sie gleich ein ganz lautes Schlagzeug“, warnte Fleischfresser vor. Daniel „Jack“ Wolf holte aus seinem Schlaginstrument raus, was rauszuholen war. Tosender Applaus und Bravorufe verlangten den Musikern zwei Zugaben ab.
Völlig verausgabt und durchgeschwitzt verbeugten sich die fünf vor dem begeisterten Publikum ...
Dagmar Simons, Märkische Allgemeine, 4.7.2005
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Zum Glück hat „Tanz für Millionen“ nichts mit der von Dieter Thomas Heck moderierten ZDF-Sendung „Melodien für Millionen“ zu tun, sondern ist ein ziemlich grooviges Stück, das auf gelungene Weise deutschen Hip-Hop mit Klezmer kreuzt. Mehr Experimente dieser Art – und eine bessere Produktion! Live aber zündet die Kapelle aus Leipzig ganz bestimmt.
Folker!, 01/05



Zwischen allen Stühlen

Ein neue Leipziger Band: Chelesta hatten ihren ersten Auftritt in diesem Jahr. Doch so neu sind sie nun auch wieder nicht – denn ihr Bandname ist ein Anagramm von Tacheles. Als Tacheles Klezmer Company brachten es die fünf Leipziger seit 1999 zu einiger Bekanntheit und einer CD mit dem schrägen Titel „Balkan Reggae".
Die Schublade, die sie mit der Namensgebung um sich herum gezimmert hatten, wurde ihnen jedoch rasch zu eng. Weil sie jiddische Musik zwar lieben, aber viel zu sehr ihre eigenen musikalischen (Dick)Köpfe haben, als vorgegebene Originale diszipliniert vom Blatt zu spielen. Sie wollten von Beginn an Lieder machen, in die alles einfließt, was ihnen innerhalb der eigenen Horizonte unter die Finger gerät. Und das ist eine ganze Menge. Zusammen mit einem leichten Hang zum Chaos ergibt das eine quicklebendige Melange aus stark angejazzter Weltmusik.

Sie nennen ihre Stücke „Future Traditionals". Und das klingt manchmal, als würden orthodoxe, ehrwürdige Klezmorim, die sich in einer Ecke unbeobachtet fühlen, plötzlich verschmitzt lachend und völlig ungehemmt drauflos jammen. Da klingt Klezmer verdächtig nach Ska, die Balkan- folklore kriegt das Rocken und Rollen und die Meute das Hüpfen und Springen.
Inzwischen haben sich Chelesta genüsslich zwischen allen Stühlen breit gemacht. Sie spielen auf Jazzfestivals, auf Folk-Festen oder gemeinsam mit Rockbands. Die Puristen der jeweiligen Richtungen wiegen zwar oft bedenklich die Köpfe – doch bilden sie im Publikum meist erfreuliche Minderheiten.
Nunmehr legen Chelesta ihren ersten Tonträger unter neuem Namen vor. Der Titelsong des 6-Track-Albums ist der einzige mit Gesang (in Konzerten lassen sie ihre Stimme öfter erklingen) und trägt den bescheidenen Titel „Tanz für Millionen".
Es ist dies der unglaubliche Versuch, HipHop und osteuropäisch-jüdische Musiktradition zu verbinden. Das kann möglicherweise einige Verwirrung auslösen – aber es macht einfach Laune.
Wahrscheinlich wird das ihr erster Hit. Und sicher nicht der letzte.
Peter Matzke, LVZ, 16.10.2004
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Doch die Musik, die machen wir

In den melancholisch morbiden Hüllen des UT Connewitz schickt sich am 16. Okober, ab 21 Uhr, eine Crossover-Kapelle der besonderen Art an, rotweingeschwängerte Sonnenstrahlen in die Herzen des Publikums zu schießen. Fingerschnippsenden Klezmer, mit HipHop-Einflüssen, Trompete, Polka und Jazz – chelesta eben.
Ehemals waren die Musiküsse unter dem Namen tacheles klezmer company erfolgreich, schufen mit Jens-Paul Wollenberg aus Villon-Texten die musikalische Vereinigung ex.ces und brachten unangepasste Töne zurück auf die Bühne.
Nun sind diese quietschbunten Rauschzustände auf einen Silberling gebrannt, der „Tanz für Millionen – future traditionals" benannt ist und den tanzwütigen Horden im Kulturkino in Connewitz zum Mitnehmen präsentiert wird.
Und dass jauchzendes Feiern heutzutage noch mit Anspruch (viele Grüße an die alles negierenden Dogmatiker aus der Verhindererecke!) verbunden sein kann, beweisen Birgit Fleischfressers Texte, grandios geschnitzte, kleine Boshaftigkeiten, mitten hinein ins stoisch vor sich hinrädernde Getriebe unserer Gesellschaft.
Da wollen wir alle mehr davon, Sticheleien gegen Resignation und Ver- dämmerung, tanzend auf der Vulkanklippe den weltfremden Entscheidern einen musikalischen Tritt in den Allerwertesten versetzen.
„Dieser Tanz ist für Millionen / und der Schweiß ist auch von Dir! / Die Nacht ist lang und Party laut, / doch die Musik – die machen wir!"
Volly Tanner, BLITZ!, Oktober 2004
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„Live im Schlosspark“ wäre es noch viel schöner gewesen
Stimmungsvolles Konzert brachte ganz zum Schluss noch die Suhler zum Tanzen

Natürlich brachte „Chelesta“ auch den „Tanz für Millionen“ mit Bravour auf die Bühne im Kleinen Saal des Hauses Philharmonie. Und einige Suhler tanzten, wenn auch erst zum Schluss des ungewöhnlich spannungsreichen Konzertes.

„Live im Schlosspark“ wäre es sicher noch viel schöner, weil bestimmt noch spannungsvoller, gewesen. Doch wenn dann ein Gewitter aufzieht und das Publikum ausbleibt, so wie bei dem großen Fest, auf dem „Chelesta“ spielen sollte?! Dann bleibt wenigstens eine Eigenkomposition wie „Live im Schlosspark“, die bei den Suhlern unheimlich gut ankam.
(...) Die Musiker nahmen rund 100 Zuhörer mit auf eine Reise, die in die Niederlande, die USA, nach Osteuropa und sogar nach Australien führte. Musik umspannt eben die Welt, kennt keine Grenzen. Sie kamen Mittwoch abend gut gemixt daher. „Zwischen Tradition und Moderne“, dem Motto dieser 12. Jüdisch-Israelischen Kulturtage in Thüringen entsprechend.
Es ist schon faszinierend, wenn sich eine Tuba zum Didgeridoo wandelt, und sich nach und nach Klarinette, Trompete, Akkordeon und ein kaum noch zu bändigendes Schlagzeug hinzugesellen, um sich im Traditionellen zu vereinigen. „Sonne, Meer und Strand“, „Balkan-Reggae“, „Bukarest“ und andere Titel machten gute Laune. Es gab aber auch nachdenklich Stimmendes zu hören – so ein Lied gegen den Krieg und für die Liebe. Und die Suhler wurden zu einer Uraufführung im Versuchslabor willkommen geheißen.
„Ich wundere mich, dass ich so fröhlich bin“ hieß es zum Schluss. Das Publikum wunderte sich aber gar nicht. Schließlich verstand es die „tacheles klezmer company“, alle im Saal mit schlichten Klezmer- melodien, Hiphop-Polka und Jazz-Soli zu begeistern und doch noch einige zum Tanz zu verführen. Schüler des Herder-Gymnasiums fanden sich sogar zu einer „Formation“ zusammen. In Insiderkreisen haben bereits die fünf bekenneden Rockmusik-Fans aus Leipzig fast Kultstatus erworben. In Suhl eroberten sie neue Herzen. (...)
Der Abend mit „Chelesta“ hat dazu beigetragen und gezeigt, dass Klezmermusik, die einst bei Hochzeiten unentbehrlich war, überaus wandlungsfähig und ganz modern ist.
Gabi Hoffmann, Freies Wort, Suhl, 22.10.2004
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Lasst uns tanzen: HipKlezmerHop

Beim zweiten Bremer Klezmerfest im Bürgerhaus Weserterrassen prä- sentiert sich die ganze Spannbreite der Klezmer-Musik: Traditionelles – gemischt mit Jazz und Rap, Pop und Ska. Statt der Fiedel dominieren Cello, Gitarre, Akkordeon und Klarinette.

(...) Auftreten wird zum Beispiel die Leipziger Band „Chelesta". 1999 entdeckte sie den Klezmer für sich. „Das kannten wir nicht, das war neu, das fanden wir toll. Wir sind noch auf den Zug des Klezmer-Booms raufgesprungen – und gleich einen Wagon weiter gegangen", erzählt Akkordeonspielerin Birgit Fleischfresser.
Die fünf MusikerInnen mischten den Klezmer mit Ska, Jazz oder HipHop auf. Die Musikstücke bezeichnen sie als „future traditionals". Mit hohem Tempo preschen „Chelesta" voran und fordern vom Publikum: Sitzen gilt nicht, es soll getanzt werden. (...)
Doch der lockere Umgang mit Klezmer und der jüdischen Tradition stößt auch auf Kritik. Vor allem, weil sich ausgerechnet nichtjüdische Deutsche der historischen Festmusik der Ostjuden annehmen. Elvira Noa, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bremen, spricht von „Pseudoklezmer". Natürlich könne jeder spielen, was er wolle. „Aber man spürt: Es ist nachgemacht, ohne Substanz. Hier eignen sich Leute eine Identität aus Nostalgie-Sehnsucht an, die nicht ihre ist."

Die Klezmer-Bands sind sich ihrer Aufgabe durchaus bewusst. (...)
Wenn Klezmer nur von jüdischen Musikern gespielt werden dürfe, da sind sich die Mitglieder von „Chelesta" einig, „dann würde das auch bedeuten, Blues und Jazz darf nur von Schwarzen gespielt werden."
Und außerdem: „Musik ist kein Eigentum." Ganz bewusst verzichten „Chelesta" auch darauf, „religiöse Lieder zu spielen". Ihr Ziel definieren sie ganz profan: „Wir wollen unser eigenes Ding machen, Spaß haben, und die Leute sollen Spaß haben."
Und so ist der Klezmer durch "Chelesta" (...) in seiner veränderten Form wieder da, wo er einst war: auf den Tanzflächen.
Anna Postels, taz Bremen, 21.10.2004
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Klezmer der 5. Dimension ...
Berlin, Pfefferberg, Juli 2004


Der Startschuss für die Jazztage fiel außerhalb des Fischmarktes.
Freitag Punkt 16 Uhr war hektisches Treiben in der Volks- und Raiffeisenbank auf dem Marienplatz. Die Gäste hatten sich in der Halle eingefunden, während die Musiker der Leipziger Band chelesta noch die letzten Vorbereitungen trafen. Das war noch nicht richtig so: Drei der Musiker schnappten ihre Instrumente und fuhren mit dem Fahrstuhl in die obere Etage. Das Publikum trottete wieder in die Sonne.
„Die Musiker sollen zunächst vom Balkon der Bank spielen", erklärte Matthias Brendel vom Verein „Kulturzuschlag", dem Veranstalter der Jazztage.
Paar Minuten später schmetterten drei Bläser kernigen Jazz in Richtung dicken Turm. [...]
Rene Tzschoppe, Juni 2004
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Görlitz. Freitag und Sonnabend. Görlitzer Jazztage.
An jedem der beiden Abende spielten drei Bands unterschiedlicher Stilrichtungen bis Mitternacht. Jazz in der Hauptsache. Klezmer, Swing und Folk, persische Töne, mal mit Gesang, mal ohne.
Den Anfang macht Freitag um halb acht chelesta aus Leipzig.
Osteuropa, Jiddisches und Eigenes. Tuba und Gitarre. Akkordeon, Schlagzeug und Gesang. Klarinette, Saxophon, Trompete und Ventilposaune.
Ein fulminanter Opener, die Mischung aus Klezmer und Jazz. Intensive und pulsierende Klangteppiche, darüber die lyrischen, klaren Töne des Trompeters. Die Ventilposaune dunkel, erdig, expressiv.
Mehr als „nur" zum Tanzen.
Obwohl die Musiker selbst von „Tanzmusik" sprechen, ist es mehr, viel mehr als das. Kunst, ehrlich und sauber gespielt! Poetisch, leicht, beglückend zuweilen. Ein gelungener Auftritt chelesta's auf der Fischmarktbühne, leider allzu schnell vorbei. [...]
Ines Eifler und Bernd Meier, Juni 2004
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chelesta sind als Band absolut NICHT schubladentauglich.
Und dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, ist der Genuss der harmonischen Eigenkompositionen der fünf Musiker eine runde Sache. Sie bedienen sich vieler Einflüsse und klingen mit diesen Mischungen unterschiedlichster Stilrichtungen auch noch absolut authentisch. Ein bisschen HipHop, eine Prise Jazz, osteuropäische Folklore, Rockeinflüsse und schlichte eingängige Rhythmen – chelesta imponieren mit Instrumenten- und Stil-Vielfalt.
www.fusion-festival.de, Juni 2004
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